Erinnerungen an die Urgroßeltern

Wenn ich meine Urgroßeltern besuchte, zog Uropa stets mein ganzes Interesse auf sich. Ein stattlicher Mann mit einem Kaiser-Wilhelm-Bart, der eine deutlich spürbare Autorität ausstrahlte. Er saß in einem Lehnstuhl an seinem Lieblingsplatz in der Küche und rauchte Pfeife. Und die hatte es in sich, denn es war keine gewöhnliche Pfeife. Pfeifen besaß er mindestens ein halbes Dutzend, die an der Wand hinter seinem Lieblingsplatz aufgehängt waren. Pfeifen, die größer waren als ich. Wenn er rauchte, standen sie vor seinem Lehnstuhl auf dem Boden. Manchmal waren sie sogar noch leicht geneigt, damit das Mundstück auf der Höhe seiner Lippen war.

Besonders beeindruckt war ich von den silbernen oder silberfarbigen Klappen, mit denen man den Pfeifenkopf verschießen konnte.  Ab und zu durfte ich diese ganz vorsichtig bewegen, die weiteren Verzierungen auf den Pfeifen aus der Nähe betrachten und mit dem Finger abfahren.

Noch heute ist das Bild vor meinen Augen mit einem besonderen Duft verbunden, der im ganzen Haus vorhanden war. Heute würde ich jenen Duft nach Pfeifentabak allerdings eher als Gestank bezeichnen, damals aber war war er untrennbar mit dem Faszinosum der Riesenpfeifen verbunden.

Anmerkung: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 14. Mai 2013 auf geschichte-ockenheim.de.

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