Die englische Hand

Kinderzeit in den 1950er Jahren. Lieder mit englischen Texten und englische Begriffe tauchten immer mehr im Alltagsgeschehen auf. In den Gesprächen der Erwachsenen über diese Tatsache höre ich immer wieder die Kommentierung: „Na ja, Englisch ist halt modern“ oder „das ist halt englisch“. Jedes Mal hatte der Begriff den Bezug zu England bzw. Amerika. Eine andere Bedeutung oder Zuordnung hatte ich nie gehört.

In diesen Kinderjahren beschäftigte mich aber immer wieder die „englische Frage“. Nämlich immer dann, wenn in der Kirche aufs Neue das in Ockenheim sehr beliebte Marien-Lied „Die schönste von allen“ gesungen wurde. Zumindest die ersten beiden Strophen kannten alle auswendig. Sie lauten:

„Die Schönste von allen von fürstlichem Stand, kann Schönres nicht malen eine englische Hand. Maria mit Namen an ihrer Gestalt, all Schönheit beisammen, Gott selbst wohl gefallt . Ihr Haupt ist gezieret mit goldener Kron, das Zepter sie führet am himmlischen Thron. Ein sehr starke Heldin mit englischem Schritt, der höllischen Schlange den Kopf sie zertritt.“

Wenn es voller Inbrunst durch die Kirche hallte, dreht sich in meinem Kopf alles um das „englische“ Rätsel. Nun ja, in der Tat hatte England gerade eine Königin bekommen, die ohne Zweifel von fürstlichem Stand war. Aber konnten denn die Engländer wirklich so viel besser malen als alle anderen und auch am besten schreiten? Das Grübeln fand erst in der Schulzeit die passende Antwort.

Heute würde ich zu gerne einmal wissen, ob diese „eng(e)lische Frage“ nur mich beschäftigt hat.

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