Das Bibbichen

Manchmal, wenn sich Erwachsene unterhielten, kam in die Unterhaltung so ein bestimmter Unterton, der mein Interesse voll kindlicher Neugierde ansprach. Ob es an meiner Körperreaktion oder meinem Gesichtsausdruck lag, kann ich nicht sagen, jedenfalls kam von meiner Mutter unweigerlich der mahnende Zwischenruf  „Psst“ oder auch „Achtung, Bibbichen“.

„Bibbichen“ ist in unserem Dialekt eigentlich die Bezeichnung für kleine Hühner, also Küken. Lockte man früher beim Körner ausstreuen die Hühner in der Hühnerpferch doch mit dem imitierenden Lockruf „Biii bibbi komm, Biii bibbi komm“.

Nach dem mahnenden Einwand von meiner Mutter lachten die anderen Teilnehmer der Gesprächsrunde wissend auf. Manchmal wechselte das Thema, manchmal sprach man auch so verschlüsselt weiter, dass das Gesagte für mich nicht mehr zuzuordnen war. Stets habe ich mich über das „Bibbichen“ nicht nur richtig geärgert, es ist mir dann auch entgangen über welche nach Erwachsenensicht für Kinderohren vermeintlich anzügliche Themen es in der Unterhaltung gegangen ist.

Anmerkung: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 21. Mai 2013 auf geschichte-ockenheim.de.

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