Brause statt Limonade

Besonders in der warmen Jahreszeit werden heutzutage kistenweise Getränke gekauft und nach Hause gebracht. Dabei mussten wir noch bis weit in die 50er/60er Jahre tatsächlich ohne Limo, Energy-Drinks oder den vielen anderen, heute üblichen Getränkesorten leben. Wasser kam aus der Wasserleitung. Vorsichtige kochten es vorher ab.

In den späten 50igern passierte es, dass Verkäufer von Haus zu Haus gingen und Sprudelgetränke in Flaschen anboten, was für breiten Gesprächsstoff sorgte und von vielen für „verrückt“ erklärt wurde. Manchmal wurde auch eine Gratisflasche geschenkt. Auch wurden den Familien Flaschen zum Probieren angeboten. Das Angebot beinhaltete Sprudelwasser, weiße Limonade und Bier. Als Geschenk gab es den einen oder anderen Plastikverschluss zum Aufstecken, denn die damaligen Flaschen hatten Kronkorken und die Kohlensäure wäre nach recht kurzer Zeit entwichen. So galt es, die Flaschenverschlüsse immer wieder aufs Neue gut aufzubewahren.

Nach einigen Tagen wurde kassiert oder die nicht getrunkenen Flaschen zurückgenommen. Anschließend gab es in jeder Straße ein Verkaufsdepot. In unserer Nähe hatte eine Nachbarin in ihrem Keller einige wenige Flaschensteigen gelagert. Wenn meine Eltern einmal „gibbesgebbig“ (großzügig) waren, gab es die notwendigen Pfennige, um beim Nachbarn eine einzelne Flasche süße, weiße Limonade zu kaufen, die dann aber auch ein paar Tage vorhalten musste. Irgendwann wurde dann auch gelbe Limonade angeboten. Allein schon die Farbe ließ uns Kindern das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber das teure Nass wurde von den Eltern nur selten gekauft und blieb noch viele Jahre eine Rarität, die wir uns von 10 Pfennig „Sonntagsgeld“ (Taschengeld, das es – wenn überhaupt – sonntags gab) als Kinder nicht selbst kaufen konnten. Dabei ging es mir im Gegensatz zu den meisten Klassenkameraden noch noch relativ gut, denn meine Eltern hatten eigentlich immer Brausepulver-Tütchen im Hause, mit denen ich das Leitungswasser geschmacklich aufpeppen konnte.

Anmerkung: Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 23. Juli 2013 auf geschichte-ockenheim.de.

 

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