Der Sängerwettstreit auf der Wartburg des Westens

Um es gleich vorweg zu nehmen: Gekauft. Er war gekauft, dieser selbst ernannte Sängerwettstreit am 7. August 1949. Dass die Ebernburg im Naheland mit ihrer von Martin Schmidt erhaltenen Umschreibung im Veranstaltungstitel genannt wird, verdeutlicht die Intention der Veranstalter: Sie wollten an den fabelhaften Sängerstreit auf der Wartburg anknüpfen, seine Stimmung erzeugen…. nun, so ganz genau ist das nicht eindeutig, denn ich habe die Unterlagen in Bad Kreuznach noch nicht eingesehen. Aber ich mutmaße wohl nicht zu sehr, wenn ich den Veranstaltern zutraue, dass sie diesen Titel bewusst gewählt haben. Weiterlesen

„Diese kleine Mühe bedarf doch wirklich nicht in jedem Jahre derart vieler Ermahnungen“

Nachdem der zunächst von den alliierten Besatzungsmächten wegen seiner kulturpolitischen Verwicklung im nationalsozialistisch regierten Deutschland verbotene Deutsche Sängerbund am 10. Juli 1949 wiedergegründet wurde (1952 konnte die Löschung aus dem Vereinsregister rückgängig gemacht werden und der neue Vereine im alten aufgehen) bestand bereits der Sängerbund des Kreises Bingen. Nach einer vorbereitenenden Gründungsveranstaltung am 19. Dezember 1948 von 25 Gesangvereinen des Kreises, fand die Wiedergründung am 20. März 1949 in Gau-Algesheim statt. Weiterlesen

Heinrich von Ockenheim, der Kreuzfahrer

Auch als Wilhelm, Graf von Jülich während des fünften Kreuzzuges in Ägypten starb, war Heinrich von Ockenheim an seiner Seite – wie auch Heinrich, Graf von Sayn-Wittgenstein, und Theoderich von Isenburg.

In Anbetracht des 1215 endenden Waffenstillstandes in den Kreuzfahrerstaaten, rief Papst Innozenz III. bereits im Frühjahr des Jahres 1213 in seiner Bulle „Quia maior“ zum erneuten Kreuzzug auf. Diese wurde 1215 auf dem 4. Laterankonzil beschlossen, Weiterlesen

Zum Ockenheimer Rod

Dass Nikolaus Kirsch-Puricelli hinter „Ockenheimer Rod“ (ein ovales Gebiet im Nordosten des Ingelheimer Wald) einen Lesefehler (Ockenheim => Otterberg) vermutete1)Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44. Pfalz-Simmern setzte sich aus Ockenheimer Rod, Wäldchen „auf Reipoltskirch“, Erbacher Wald und Spitalkopf zusammen. führte ich schon vor ein paar Wochen aus. Warum ich einen Lesefehler für unwahrscheinlich halte, möchte ich im Folgenden ausführen: Weiterlesen

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1. Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44. Pfalz-Simmern setzte sich aus Ockenheimer Rod, Wäldchen „auf Reipoltskirch“, Erbacher Wald und Spitalkopf zusammen.

Der Angelbaum in Ockenheim

Hessisches Urkundenbuch III, S. 385-386, #12941)Vor dem Ockenheimer Schultheißen Peter, Marschall des Ockenheimer Burgherrs (zu dieser Zeit vermutlich Emmerich von Ockenheim) und den Schöffen Heinrich Wingerter, Betholf Keßeler, Peter Schweiz und Peter Schellenberger machen die Binger Bürger, Meister Conrad Glesir dessen Sohn ihren Ewigzins an Herrn Johann, genannt Boltz von Frankfurt, öffentlich bekannt. Für den Ewigzins über 3,5 Pfund geben sie sieben Morgen, drei Zweiteile und fünf Viertel an Weinbergen in Ockenheimer Lagen sowie Haus, Hof und Garten beim Hofe der Mönche von Kloster Eberbach im Rheingau (heute: Mönchhof) als Unterpfand. Das bezeugten miles Herr Simon von Liebenstein, Herr Friedrich Falysin (Anm. in Urkunde: von Leyen) und dessen Sohn Junker Philipp, Herr Werner (Kaplan zu s. Katharinen in Ockenheim), Hentze, genannt Freitag, sowie Heintze Kippil.:

“Allir menlich sal wißin, daz […] in dem dorf zu Ockinheim, gelegin in Mentzer bischtum, vndir dem angilbaume, da man daz gereche des selbis dorfes plegit zu habene“

Der Baum, der in dieser Schenkungsurkunde vom 13. Mai 1357 genannt wird, lässt sich in Ockenheim lokalisieren.

Er hatte seinen Namen von der Bezeichnung Anger/Angel (von althochdeutsch „angar“) für einen trockenen, umfriedeten, hoch und nach Curschmann nahe der oberen Dorfpforte gelegenen Grasplatz, der sich häufig bei einer Wegkreuzung oder -gabelung befand und möglicherweise vorher Teil der Allmende (= Fest-, Gerichts- und Versammlungsplatz) war.2)Zernecke merkt an, dass nicht alle Faktoren übereinstimmen müssen, um die Lage eines Angelbaums zu identifizieren, sondern es sich vielmehr um die bildhafte, poetische Beschreibung eines „locus amoenus“ handelt. Vgl. Zernecke, S. 51. Angelbäume finden sich in Rheinhessen vor allem bei dem Fluß Selz zwischen Bechtolsheim und Sörgenloch, aber in den nahe gelegenen Dörfern Ober-Hilbersheim und eben Ockenheim. Weiterlesen

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1. Vor dem Ockenheimer Schultheißen Peter, Marschall des Ockenheimer Burgherrs (zu dieser Zeit vermutlich Emmerich von Ockenheim) und den Schöffen Heinrich Wingerter, Betholf Keßeler, Peter Schweiz und Peter Schellenberger machen die Binger Bürger, Meister Conrad Glesir dessen Sohn ihren Ewigzins an Herrn Johann, genannt Boltz von Frankfurt, öffentlich bekannt. Für den Ewigzins über 3,5 Pfund geben sie sieben Morgen, drei Zweiteile und fünf Viertel an Weinbergen in Ockenheimer Lagen sowie Haus, Hof und Garten beim Hofe der Mönche von Kloster Eberbach im Rheingau (heute: Mönchhof) als Unterpfand. Das bezeugten miles Herr Simon von Liebenstein, Herr Friedrich Falysin (Anm. in Urkunde: von Leyen) und dessen Sohn Junker Philipp, Herr Werner (Kaplan zu s. Katharinen in Ockenheim), Hentze, genannt Freitag, sowie Heintze Kippil.
2. Zernecke merkt an, dass nicht alle Faktoren übereinstimmen müssen, um die Lage eines Angelbaums zu identifizieren, sondern es sich vielmehr um die bildhafte, poetische Beschreibung eines „locus amoenus“ handelt. Vgl. Zernecke, S. 51.

Die Ordnung „Vn der dinstknechte wegen“ von 1421

Vor einer Zeit habe ich hier und im Gemeinschaftsblog „Mittelalter“ über ein Urkundenregest von 1422 über freigelassene Weberknechte gebloggt. Klaus Graf und Jean-Dominique Delle Luche machten mich auf die Einheitsbewegung der Handwerksgesellen auf der Walz im Spätmittelalter aufmerksam, dem ich in den letzten Wochen nachgegangen bin:

Matheus bezeichnet die Gesellenwanderung im 15. Jahrhundert als „unruhiges Element“ (Matheus, S. 13). Mit ihren überregionalen, genossenschaftlichen Zusammenschlüssen versuchten sie, eigene Interessen durch Boykott und Streik durchzusetzen. Ein solcher überregionaler und zudem sehr einflussreicher Bund bestand seit Ende des 14. Jahrhunderts um den nördlichen Oberrheins und umfasste Städte unterschiedlicher Größe, politischen Status‘ und Wirtschaftsstruktur.
Zunächst formierte sich nur innerhalb der ansässigen Zünfte der Widerstand gegen den signifikanten Einfluss der wandernden Gesellen in ihrer Stadt, dann auch der städtischen Magistrate.
Am 28. Juli 1421 erließen die betroffenen Städte Frankfurt, Mainz, Worms und Speyer eine gemeinsame Ordnung („Vn der dinstknechte wegen“), Weiterlesen

Das Ockenheimer Roth im Binger Wald

Ein Distrikt des Binger Waldes nennt sich Ockenheimer Rod/Roth. Gottfried Erckmann beschreibt den Bereich in seinem 1930 erschienen Buch über den Binger Wald auf mehreren Seiten. 1)Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15). So auf Seite 44:

»Das Ockenheimer Rod schneidet aus dem Ingelheimer Wald die Nordostecke heraus. Es gehörte ehemals, ebenso wie der Dichtelbacher Wald, wie auch aus der Fabricius’schen Karte III – „Die Herrschaften des unteren Nahegebietes um das Jahr 1430“ – zu ersehen ist,  politisch zum Pfalz-Simmerischen Territorium (seit der Teilung der pfälzischen Lande unter die Söhne König Ruprechts im Jahre 1410), und es setzt sich aus vier Abteilungen zusammen: 1) dem Ockenheimer Rod im engeren Sinne, 2) dem Wäldchen „aus Reipoltskirch“, 3) dem Erbacher Wald, 4) dem Spitalkopf. Das eigentliche Ockenheimer Rod gehörte als Zubehör eines Hofes in Daxweiler ursprünglich dem Cistercienser-Kloster Otterberg bei Kaiserslautern [ca. 10km nördlich von Kaiserslautern], wurde aber (mit dem Hofe) im Jahre 1441 an den Kurfürsten Ludwig IV. von der Pfalz (1436-1449, König Ruprechts Enkel) verkauft. Es war also damit kurfürstlich pfälzisches Privateigentum auf pfalzsimmerischem Territorium, ein sog. Kammergut, und ist als solches auch im Waldbuch des späteren kurpfälzischen Amtes Simmern von 1598 erwähnt.«

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1. Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15).

Wahlergebnisse November 1933

In Ockenheim

Von den 1403 Einwohner Ockenheims (Stand: 16.06.1933) stimmten 888 (= 63,29%) bei der Volksabstimmung, 884 (= 63,01%) bei der Reichstagswahl ab (=! wahlberechtigt; dazu sind keine Zahlen angeben).

In der Volksabstimmung stimmten von den Wählenden 863, d.h. 97,18%, für „Ja“, 15 (= 1,69%) für „Nein“ und 10 (=1,13%) wählten ungültig.

Bei der Reichstagswahl stimmten von den Wählenden 826 (= 93,44%) für die NSDAP, 58 dagegen (=6,56%).

Kopien der Angaben zur Volkszählung aus den "Mitteilungen des Hessischen Landesstatistischen Amtes" und der Veröffentlichung der Wahlergebnisse aus der MVZ (siehe Quellenangabe im Beitrag).

Kopien der Angaben zur Volkszählung aus den „Mitteilungen des Hessischen Landesstatistischen Amtes“ und der Veröffentlichung der Wahlergebnisse aus der MVZ (siehe Quellenangabe im Beitrag).

Ergänzung, 27.11.2014:

Zur Vergleichbarkeit hier die Daten zum Kreis Bingen aus den gleichen, untengenannten Quellen. 1)Für Wackernheim sind keine Angaben möglich, da die Anzahl der Wählenden (laut MVZ 953 Personen bei der Volksabstimmung und 948 Personen bei der Reichstagswahl) die der Einwohner von Juni 1933 (= 936) übersteigt.
Die Prozentzahlen in den folgenden Tabellen beziehen sich in Spalte 3 auf die Einwohnerzahl, in den folgenden Spalten auf die Stimmen der Wählenden. Im Folgenden das Ergebnis der Volksabstimmung und der Reichstagswahl 1933 in Tabellenform. Weiterlesen

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1. Für Wackernheim sind keine Angaben möglich, da die Anzahl der Wählenden (laut MVZ 953 Personen bei der Volksabstimmung und 948 Personen bei der Reichstagswahl) die der Einwohner von Juni 1933 (= 936) übersteigt.

Grafschaft Sponheim um 1420

Nachdem Gräfin Elisabeth von Sponheim-Kreuznach 1417 kinderlos starb, erlosch die Linie Kreuznach und damit die so genannte „Vordere Grafschaft“ Sponheims, die die Städte und Ämter Kirchberg, Koppenstein, Kreuznach und Naumburg umfasst hatte. Ein Fünftel des Besitzes ging als „kurpfälzisches Erbfünftel“ an Ludwig III. von der Pfalz, der Rest an die andere Linie, d.h. an Ludwig V. von Sponheim-Starkenburg. Diese anderen vier Fünftel umfassten die „Hintere Grafschaft“, die Johann V. bereits vorher besaß (= Ämter Allenbach, Birkenfeld, Herrstein, Trarbach und das „Kröver Reich“) und auch die Ämter Dill, Kastelaun und Winterburg.

Johann V. von Sponheim (1359-1437) war zu diesem Zeitpunkt zwei Jahre mit Walpurga von Leiningen-Rixingen verheiratet. Die Ehe blieb jedoch kinderlos und so ging Johanns Erbe 1437 an die Markgrafen von Baden und die Grafen von Veldenz. Ein Jahr nach dem großen Erbe von Elisabeth von Sponheim-Kreuznach erhielt er von König Sigismund die Rechte für den Jahrmarkt, die Münze und die Juden in Kreuznach sowie auch das Geleitrecht bei Gensingen auf der Verbindungsstraße von Trier nach Mainz.

Was dieser Johann mit Ockenheim zu tun hat? Er lag offenbar mit Ockenheimern im Clinch, genauer gesagt Emmerich von Ockenheim und Johann von Ockenheim.
Und wieso inhaftierte er zunächst einige Weberknecht, um sie dann aus Gnade wieder freizulassen? (Ergänzung: Dazu Näheres mittlerweile hier.) Weiterlesen

Schloß Ockenheim

Vorgestern wurde auf dem Archivtag 2014 in Magdeburg das Archivportal-D gelauncht, das sowohl die Kontaktdaten deutscher Archive als auch von diesen eingereichte Digitalisate sammelt – beides allerdings auf Initiative des jeweiligen Archivs. „Ockenheim“ in die Suchzeile eingegeben werden 45 Digitalisate des Mainzer Stadtarchivs, zehn des baden-württembergischen Landesarchivs (davon neun aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg), zwei des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und eines des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt aufgelistet. Weiterlesen