„Diese kleine Mühe bedarf doch wirklich nicht in jedem Jahre derart vieler Ermahnungen“

Nachdem der zunächst von den alliierten Besatzungsmächten wegen seiner kulturpolitischen Verwicklung im nationalsozialistisch regierten Deutschland verbotene Deutsche Sängerbund am 10. Juli 1949 wiedergegründet wurde (1952 konnte die Löschung aus dem Vereinsregister rückgängig gemacht werden und der neue Vereine im alten aufgehen) bestand bereits der Sängerbund des Kreises Bingen. Nach einer vorbereitenenden Gründungsveranstaltung am 19. Dezember 1948 von 25 Gesangvereinen des Kreises, fand die Wiedergründung am 20. März 1949 in Gau-Algesheim statt.

Wie schon Ende des 19. Jahrhunderts forcierten die bereits gegründeten regionalen Sängerbünde den deutschlandweiten Verbund, diesmal allerdings nicht aus politischen, sondern musikpädagogischen Zielen – meist jedoch erst mit Erfolg in den 1970er Jahren. Denn zur Konsternierung der jungen Sänger wurde zunächst auf das naturromantische Liedgut des späten 19. Jahrhunderts zurückgegriffen. Zu groß war die Sehnsucht nach dem Erwachen und Realisieren des Scherbenhaufens nach  12 Jahren nationalsozialistischer Diktatur.1)Vgl. Klenke: Der singende „deutsche“ Mann. S. 196-198; Künneke: Der deutsche Sängerbund. S. 78-82. Der Deutsche Sängerbund sah dieses Festklammern in den überholten Träumen sehr kritisch und bot daher schon ab den 1950er Jahren Chorleiterkurse an, um neue Chorliteratur an die Chöre zu bringen.

Nachfolgend ein Rundschreiben des Sängerbundes Rheinland-Pfalz von 1950, das ich in den Unterlagen des MGV 1866 Ockenheim fand und in dem es um sehr schleppende Rückmeldungen geht und wie man als Verein denn nun richtig seine Veranstaltung bei der GEMA anmeldet. Manche Dinge ändern sich wohl nie, ist man geneigt zu denken.

Sängerbund Rheinland-Pfalz

Liede Sangesbrüder!
Der Deutsche Sängerbund schickt Ihnen die Fragebogen für das Bundesfest in Mainz. Die Kreise geben diese Rundschreiben umgehend an die Vereine weiter. Die Vereine werden herzlich gebeten, diese Fragebogen nicht achtlos zur Seite zu legen. Das Ausfüllen ist eine Minutenangelegenheit und alle Mahnungen, Ermahnung usw. werden damit erspart. Bitte, handeln Sie danach.
Gleichzeitig finden sie eine Bitte unseres Bundespräsidenten, Herrn Ober-Studiendirektor Anton Pesch2)Anton Pesch war seit 1949 der erste Vorsitzende des DSB. Auf sein Bestreben wurde 1947 der nordrheinwestfälische Sängerbund gegründet., der die Vereine zum Bezug unserer Sängerbundeszeitung auffordert. Auch diesen Appell wollen Sie bitte nicht achtlos zur Seite legen, sondern in der Gesangstunde oder Vorstandssitzung behandeln. Es muß möglich sein, daß jeder Verein mindestens ein Exemplar bezieht, um über alle wichtigen Dinge innerhalb unseres Bundes orientiert zu sein.
Bestandserhebungen: in wenigen Tagen läuft der Termin ab, an dem die Kreise die gesammelten Bestandserhebungen an den Bund abliefern sollen. Es ist uns bekannt, daß die meisten Vereine ihre Formulare noch nicht an den Kreis gegeben haben. Das ist unverständlich und wirft auf viele Vereine ein denkbar schlechtes Licht. Die Formulare sind in 5 Minuten ausgefüllt und weitergegeben. Diese kleine Mühe bedarf doch wirklich nicht in jedem Jahre derart vieler Ermahnungen. Die Kreise sind angewiesen, die Bestandserhebungen am Stichtag abzuschließen. Wer bei den Säumigen ist, muß eben die Nachteile tragen. Dieser letzte und eindringliche Appell soll alle die noch einmal aufrütteln, die dieser kleinen Pflicht noch nicht nachgekommen sind. Den übrigen Vereinen soll unser Dank gelten.
Der DSB hat auch jedem Verein zwei Formulare beigefügt, die für Anmeldungen von Veranstaltungen der Gema gegenüber gelten. Der neue, ab 1. 1. 51 geltende Gemavertrag sollte jedem durch die Sängerbundeszeitung bekanntgeworden sein. Wir wollen ihn nachstehend noch einmal ganz elementar erklären, damit er Allgemeingut unserer Vereine wird:

Grundsätzlich ist alle reinen Konzerte gebührenfrei. Die Vereine haben lediglich 4 Programme an ihren Sängerkreis zur Weiterleitung einzuschicken. Letzteres ist sehr wichtig.
Haben wir eine gesellige Veranstaltung innerhalb des Jahres, so ist diese auch gebührenfrei, wenn diese Veranstaltung nur innerhalb der Vereinsfamilie stattfindet und keine fremde Person zugelassen wird. Alle zum Hausstand unserer Mitglieder zählenden Personen dürfen mit zur Vereins-/familie gezählt werden. Zum Beispiel könne Söhne und Töchter, die im Haushalte des Mitgliedes wohnen, mitgebracht werden. Allerdings sind Bräute der Söhne und Verehrer der Töchter nicht mehr zum Hausstand zu zählen. Wer eine solche reine Veranstaltung im engsten Kreise durchführt und dies nachweisen kann, hat ebenfalls eine gebührenfreie Veranstaltung. Die Pflicht der Programmablieferung entfällt in diesem Falle.
Alle übrigen geselligen Veranstaltungen, auch solche, die unmittelbar auf ein Konzert folgen, sind gebührenpflichtig. Hier gilt aber der sogenannte billige Tanztarif, abzüglich 25% Sonderrabatt. Wenn Sie die beigefügten Anmeldeformulare genau beachten, so stellen Sie fest, daß auf der Rückseite genau zu errechnen ist, was Sie die Veranstaltung kostet. Sie werden weiter feststellen, daß wir mit diesem Vertrag den erträglichen Gebühren näher gekommen sind. Es ist so geworden, daß wir unseren Veranstaltungen eine Grundlage geben können, und daß wir vorher selbst feststellen können, was wir zu zahlen haben. Der angegebene Sonderrabatt ist wiederum nur für Mitglieder unseres Bundes. In den meisten Fällen kommen unsere Vereine mit einer Gebühr von unter 10.- DM für eine Veranstaltung aus.
Wichtig ist aber, daß alle Veranstaltungen vorher gemeldet werden und zwar nicht an Kreis und Bund, sondern sofort an die Gemastelle, – für uns die Bezirksdirektion der Gema in Traben-Trarbach (Mosel) – . auch sind die dann fällig werdenden Veranstaltungsgebühren an diese Stelle direkt zu überweisen- Noch einmal: Der Bund hat mit diesen Dingen in Zukunft nichts mehr zu tun. Nur in Streitfällen greifen wir ein.

Wir hoffen, daß wir Ihnen mit dieser Auslegung genauen Bericht über den neuen Vertrag gegeben haben und erwarten, daß jeder Vereinsführer sich mit dieser Materie vertraut macht, damit in Zukunft alle unnötigen Anfragen und damit verbundener unnötiger Schriftwechsel vermieden wird. – Sprechen Sie diesen Punkt unbedingt in der nächsten Vorstandssitzung durch. Weitere Aufklärung kann Ihr Sängerkreisführer geben.
Der Jahresbeitrag pro Sänger ist mit 1.- DM geblieben. In diesem Beitrag ist alles enthalten. Die Gebühren für unseren Sängerkreis, für den Sängerbund Rheinland-Pfalz, für den Deutschen Sängerbund und für die Gema.
Nun wird alles klar sein. Denken Sie an das große Treffen in Mainz. Wer will da, wo wir es diesmal so nahe haben, fehlen? Wir sind nach Wien, nach Breslau usw. gefahren und nun haben wir das Treffen in unserem Heimatbund, vor unserer Türe, da darf kein Sänger von uns fehlen. Einzelheiten darüber lesen Sie in der Sängerbundeszeitung, die ja in Zukunft in allen Vereinen Eingang finden wird.
Es grüßt Sie mit den besten Sängergrüßen
Der Vorstand des Sängerbundes
Rheinland-Pfalz
i. A. gez. Schickel

References   [ + ]

1. Vgl. Klenke: Der singende „deutsche“ Mann. S. 196-198; Künneke: Der deutsche Sängerbund. S. 78-82.
2. Anton Pesch war seit 1949 der erste Vorsitzende des DSB. Auf sein Bestreben wurde 1947 der nordrheinwestfälische Sängerbund gegründet.

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