Das Ockenheimer Roth im Binger Wald

Ein Distrikt des Binger Waldes nennt sich Ockenheimer Rod/Roth. Gottfried Erckmann beschreibt den Bereich in seinem 1930 erschienen Buch über den Binger Wald auf mehreren Seiten. 1)Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15). So auf Seite 44:

»Das Ockenheimer Rod schneidet aus dem Ingelheimer Wald die Nordostecke heraus. Es gehörte ehemals, ebenso wie der Dichtelbacher Wald, wie auch aus der Fabricius’schen Karte III – „Die Herrschaften des unteren Nahegebietes um das Jahr 1430“ – zu ersehen ist,  politisch zum Pfalz-Simmerischen Territorium (seit der Teilung der pfälzischen Lande unter die Söhne König Ruprechts im Jahre 1410), und es setzt sich aus vier Abteilungen zusammen: 1) dem Ockenheimer Rod im engeren Sinne, 2) dem Wäldchen „aus Reipoltskirch“, 3) dem Erbacher Wald, 4) dem Spitalkopf. Das eigentliche Ockenheimer Rod gehörte als Zubehör eines Hofes in Daxweiler ursprünglich dem Cistercienser-Kloster Otterberg bei Kaiserslautern [ca. 10km nördlich von Kaiserslautern], wurde aber (mit dem Hofe) im Jahre 1441 an den Kurfürsten Ludwig IV. von der Pfalz (1436-1449, König Ruprechts Enkel) verkauft. Es war also damit kurfürstlich pfälzisches Privateigentum auf pfalzsimmerischem Territorium, ein sog. Kammergut, und ist als solches auch im Waldbuch des späteren kurpfälzischen Amtes Simmern von 1598 erwähnt.«

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References   [ + ]

1. Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15).

Schloß Ockenheim

Vorgestern wurde auf dem Archivtag 2014 in Magdeburg das Archivportal-D gelauncht, das sowohl die Kontaktdaten deutscher Archive als auch von diesen eingereichte Digitalisate sammelt – beides allerdings auf Initiative des jeweiligen Archivs. „Ockenheim“ in die Suchzeile eingegeben werden 45 Digitalisate des Mainzer Stadtarchivs, zehn des baden-württembergischen Landesarchivs (davon neun aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg), zwei des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und eines des Hessischen Staatsarchivs in Darmstadt aufgelistet. Weiterlesen

Bischof Ketteler zur Ockenheimer 14-Nothelferkapelle (1867)

In drei Briefen tauschten sich der langjährige Ockenheimer Priester Carl Joseph Bender (1795-1873)1)Bender war 1818 bis 1873 Priester in Ockenheim und 1867 außerdem Dekan des Dekanates Bingen. der Mainzer Bischof Wilhelm Emmanuel Ketteler (1811-1877) über die Bewohnung der gerade wieder aufgebaute Vierzehnnothelfer-Kapelle auf dem Jakobsberg bei Ockenheim aus, die nun durch die Errichtung eines Wohnhauses an der Kapelle (1862) zum Kloster ausgebaut wurde. Einen Schlusspunkt setzt die knappe Eingabe des Ockenheimer Kaplans Lemb.
Die 1720 erbaute Kapelle musste im 19. Jahrhundert zweimal, nach der Munizipalzeit und nach erneuter Baufälligkeit 1856, erneuert werden. Die nachfolgend beschriebenen Briefe befinden sich im Mainzer Dom- und Diözesanarchiv in den „Akten des Bischöflichen Ordinariates“ unter der Nummer 196, die Ockenheim betrag. Sie wurde ebenso 1997 von Norbert Jäger ediert und sind in seinen Editionsbänden zu Kettelers Schriften im fünften Band der zweiten Abteilung („Briefe und öffentliche Erklärungen 1866-1870“) veröffentlicht worden. Darauf beziehen sich auch die im Folgenden angegebenen Seitenzahlen und Quellennummern.
dr;tl am Ende des Beitrages. Weiterlesen

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1. Bender war 1818 bis 1873 Priester in Ockenheim und 1867 außerdem Dekan des Dekanates Bingen.

Ockenheim, Okegem und Ockeghem, Teil 3

Nach etwas Pause habe ich mich wieder mit Ockenheim, Okegem und Ockeghem beschäftigt, siehe zuvor hier und hier.
Auf der Homepage des Heemkring Okegem wird als mögliche etymologischer Ursprung von Okegem oder „Oggenem“, wie Ockenheim im heimischen Dialekt ausgesprochen wird, der frühmittelalterliche, friesländische Schlachtenheld „Hocke“ genannt. Darauf wurde schon eingegangen. Ich nahm per E-Mail mit dem Vorsitzenden des Vereins, Herman van Isterdael, auf, der mir binnen drei Stunden eine herzliche Antwort schrieb. Viel könne er mir nicht helfen, wünsche mir aber viel Erfolg für die Zukunft. Über den Herkunft des Ortsnamens wisse er nicht mehr als in dem Beitrag geschrieben.
„De familienaam „Van Ockenghem“ kwam onder andere voor te Dendermonde. Er is ooit een studie verschenen om Dendermonde als geboorteplaats van de componist [= Ockeghem] aan te wijzen [= weisen, zeigen] omdat [= weil] de familienaam er voorkwam in de Middeleeuwen [= Mittelalter]…“ Weiterlesen

Ockenheim im 16. Jahrhundert

Staab resümierte in seinem Buch „Verfassungswandel“, dass Ockenheim bis zum 15. Jahrhundert keine reine bäuerliche Gemeinde war, sondern gewisse städtische Charakteristika hatte – das galt übrigens für alle Gemeinden am Rhein zwischen Mainz und Koblenz. Erst durch den Weggang der Burgmannen nach Oberingelheim und Straffung der erzbischöflichen Verwaltung in der frühen Neuzeit entstanden dörfliche Strukturen.

Der Mascop-Plan von Ockenheim

Der Mascop-Plan von Ockenheim

Zwischen 1576 und 1577 fertigte Gottfried Mascop im Auftrag des Mainzer Erzbischofs eine Landkarte des Erzstiftes und kartographierte zudem jeden Ort der linksrheinischen Gebiete: Amt Olm und Amt Algesheim, zu dem auch Ockenheim gehörte.
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Mord aus Notwehr

Durch die Mainzer Domprotokolle erfahren wir von einer Tat des Trechtingshäuser Friedrich Schwartz. Er tötete Heinrich aus Ockenheim, der zunächst nur „Heinrich Okenheim“, in den folgenden Protokollen aber „von Ockenheim“ bezeichnet wurde. Die Uneinigkeit könnte durch Unachtsamkeit entstanden sein. Heinrich war offenbar ein Nachkomme der ehemals in Ockenheim, nun in Ingelheim residierenden Burgmannen. Wo er in Ockenheim lebte, nachdem die Ockenheimer Burg unwichtig geworden war, ist ungewiss.

Die Tat wird publik

1541 brachte Friedrich Schwartz den Ockenheimer Heinrich „aus Notwehr“ um, wie es in den Protokollen steht.1)Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 886-887: [1541] „Jan. 28. […] 3) Verlesen: Supplik von Pf. und Sendschöffen zu Trechtingshausen, daß man den Friedr. Schartz, der den Heinr. Okenheim in der Notwehr gestochen, so daß / er starb, zur Kirchenrechnung vergleiten möge, die er als Kirchgeschworener zu tun willig sei. – Der Schol. soll sich über den Fall beim Amtmann informieren.“. Die Tat kam am 28. Januar vor das Trechtingshäuser Gericht. Dieses sandte ein Supplik (Bittschrift) an das Mainzer Domkapitel, da Friedrich Kirchengeschworener war. Das Kapitel möge den Täter „zur Kirchenrechnung vergleiten [damit beenden]“. Damit hatten die Konsequenzen zunächst ein Ende.

Wiederaufnahme des Mordes

Zwei Monate später bat der Bacharacher Amtmann, Philipp Wolf von Sponheim, das Mainzer Domkapitel um Wiederaufnahme des Falles.2)Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 893: [1541] „März 15. […] 2) Verlesen: Fürschriften des Phil. Wolf v. Sponheim, Amtmanns zu Bacharach, und anderer betr. Wiederaufnahme des Friedr. Schwartz in Trechtingshausen, der Heinr. von[!] Ockenheim in der Gegenwehr mit seinem Brotmesser gestochen «darvon er zulest[!] gestorben». – Über den Sachverhalt soll man sich zuvor erkundigen.“. Hier erfahren wir, dass Friedrich den Ockenheimer „in der Gegenwehr“ mit einem Brotmesser erstochen habe – von Notwehr ist hier keine Rede mehr. Warum der Sponheimer um die Wiederaufnahme bat, ist ungewiss. Ich könnte mir vorstellen, dass Verwandte des Ermordeten ihn darum baten. Die Familie der Sponheimer Grafen hatten seit dem Hochmittelalter Güter in Ockenheim und waren teilweise im Spätmittelalter ihre Lehensherren. Diese Verbindung hatte mit Sicherheit bis mindestens in das 16. Jahrhundert Bestand.

Das Strafmaß

Tatsächlich kam es zur Wiederaufnahme des Falles: Das Domkapitel holte Erkundigungen zur Tat ein und beschloss, Friedrich aus Trechtingshausen erst wieder zum Kirchendienst zuzulassen, wenn er einen Betrag bezahlt hat (im Mai 1541 auf zweimal 20 Gulden festgesetzt3)Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 898: [1541] „Mai 10. […] 4) Falls sich Friedr. Schwartz zu Trechtingshausen vertragen hat (vgl. 23.3.) mag er begnadet und ihm 20 fl., je zur Hälfte in diesem und dem nächsten Herbst, als Strafe abgenommen werden.“. ) und sich „in alle wege mit des entleibten frunden zuvor versunet und vertragen hab“. 4)Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 894: [1541] „März 23. […] 4) Nach Erkundigung über die von Friedr. Schwartz in Trechtingshausen an Heinr. von[!] Ockenheim verübte Tat wird beschlossen, Schwartz auf einen Abtrag und unter der Bedingung wieder einzulassen, «daß er sich in alle wege mit des entleibten frunden zuvor versunet und vertragen hab».“.

References   [ + ]

1. Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 886-887: [1541] „Jan. 28. […] 3) Verlesen: Supplik von Pf. und Sendschöffen zu Trechtingshausen, daß man den Friedr. Schartz, der den Heinr. Okenheim in der Notwehr gestochen, so daß / er starb, zur Kirchenrechnung vergleiten möge, die er als Kirchgeschworener zu tun willig sei. – Der Schol. soll sich über den Fall beim Amtmann informieren.“.
2. Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 893: [1541] „März 15. […] 2) Verlesen: Fürschriften des Phil. Wolf v. Sponheim, Amtmanns zu Bacharach, und anderer betr. Wiederaufnahme des Friedr. Schwartz in Trechtingshausen, der Heinr. von[!] Ockenheim in der Gegenwehr mit seinem Brotmesser gestochen «darvon er zulest[!] gestorben». – Über den Sachverhalt soll man sich zuvor erkundigen.“.
3. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 898: [1541] „Mai 10. […] 4) Falls sich Friedr. Schwartz zu Trechtingshausen vertragen hat (vgl. 23.3.) mag er begnadet und ihm 20 fl., je zur Hälfte in diesem und dem nächsten Herbst, als Strafe abgenommen werden.“.
4. Vgl. Protokolle des Mainzer Domkapitels, Band III,2. S. 894: [1541] „März 23. […] 4) Nach Erkundigung über die von Friedr. Schwartz in Trechtingshausen an Heinr. von[!] Ockenheim verübte Tat wird beschlossen, Schwartz auf einen Abtrag und unter der Bedingung wieder einzulassen, «daß er sich in alle wege mit des entleibten frunden zuvor versunet und vertragen hab».“.

Mittelalterliche Pfarrgeschichte – eine erste Bilanz

Die heutige Ockenheimer Pfarrkirche, gut erkennbar an ihrer gelben Farbe, wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erbaut. Im Mittelalter befand sie sich auf dem heutigen Friedhof. Da sich an dieser Stelle mehrere römische Straßen kreuzten, liegt die Vermutung nahe, dass dort zuvor ein römischer Tempel stand, der zu einer Kapelle oder Kirche umfunktioniert wurde. Sie gehörte viele Jahrhunderte dem Kölner Andreasstift. Seit wann lässt sich nur erahnen: Dieses Andreasstift hatte viel Besitz am Mittelrhein und wenn sich der Beginn des Besitzes datieren lässt, dann steht im Frühmittelalter, in merowingische/karolingische Zeit.1)Vgl. Schmitt, Sigrid: Ländliche Rechtsquelle aus den kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim. Stuttgart: Steiner 1996. (= Geschichtliche Landeskunde 44). S. 154: „Seit dem 10. Jahrhundert ist das Kölner St. Andreasstift im Besitz der Ockenheimer Pfarrkirche nachweisbar; das Patrozinium St. Peter weist jedoch auf noch ältere Rechte des Kölner Erzbischofs hin.“. Mag aber sein, dass Besitz in anderen Gemeinden erst später hinzukam. Das Kölner Andreasstift vertauschte dann unter anderem seine Ockenheimer Pfarrkirche mit zugehörigen Ländereien dem Mainzer Mariengredenstift (auch als „Liebfrauen“ bekannt). Davon berichten mehrere Urkunden. Mehrere Urkunden, weil anlässlich des Tausches offenbar zu Unstimmigkeiten gab, die schließlich am Ockenheimer Gericht gesprochen wurden. Aber mal der Reihe nach:

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1. Vgl. Schmitt, Sigrid: Ländliche Rechtsquelle aus den kurmainzischen Ämtern Olm und Algesheim. Stuttgart: Steiner 1996. (= Geschichtliche Landeskunde 44). S. 154: „Seit dem 10. Jahrhundert ist das Kölner St. Andreasstift im Besitz der Ockenheimer Pfarrkirche nachweisbar; das Patrozinium St. Peter weist jedoch auf noch ältere Rechte des Kölner Erzbischofs hin.“.

Neues von Ockeghem, Okegem und Ockenheim …

Vor wenigen Wochen habe ich hier über meine Überlegungen dargestellt, wieso der flämische Komponist Jean Ockeghem in der Literatur auch mit dem Nachnamen „Ockenheim“ genannt wird. Am unteren Ende des Artikels habe ich noch einige Ergänzungen vorgenommen, u.a., dass ich das Archiv  von Ninove angeschrieben habe.

Heute bekam ich Antwort aus Belgien mit einem Zitat, offenbar übernommen von der Seite der Heimatvereins (?, „heemkring“) von Okegem: Als 13. Punkt verfasste Herman van Isterdael eine Übersicht über die Herkunft des Ortsnamens, genanntes Zitat in der Mail. Der Text behandelt die verschiedenen Schreibweise des belgischen Ortes Okegem, heute Stadtteil von Ninove, in früheren Jahrhunderten. Allzu leicht erkennt man die lautmalerische Nähe zu „Ockenheim“, im Dialekt etwa „Oggenem“ ausgesprochen.

In der heimatkundlichen Literatur zur Geschichte Ockenheims bestand lange die Theorie, das „Heim von (H)ugo“ hätte dem im Mittelalter auch „Huckenheim“ (oder in lautmalerisch gleichen Varianten) geschriebenen Ort den Namen gegeben. Keuscher erwähnte gar, in einer alten merowingischen Urkunde, dass Ockenheim den wohl römischen Namen „Ucenium“ trug – die Urkunde ist jedoch nicht überliefert und unklar, ob sie jemals existiert hat. Tatsächlich wird Ockenheim in dem Text sogar erwähnt: „In het Rijnland in Duitsland bestaat nog een identieke dorpsnaam Ockenheim.“ ist im dritten Absatz zu lesen; eingebettet in etymologische Vermutung über die Herkunft des Ortsnamens Okegem.

Heim des Volkes von Hucke?

Laut Maurits Gysseling (Anm. 1) liegen die etymologischen Ursprünge von Okegem im 7. Jahrhundert, als man den Ort vermutlich „Ukinga heim“ nannte, d.h. Haus des Volkes Uko oder Okko, siehe Anm. 2. Die Endung „-ingahem“ tragen Orte, die zwischen dem 6. und 10. Jahrhundert entstanden seien (siehe unten bei Literaturhinweisen: Verhulst, Het landschap.).

„Uko“/“Okko“ wird nicht auf den Namen „Hugo“, sondern „Hocke“ zurückgeführt, eine immer noch üblicher friesischer Name. „Hocke“ war der Held einer Schlacht zwischen Angelsachsen und Friesen, deren Geschichte schon um 700 schriftlich fixiert worden sei (Siehe unten bei Literaturhinweisen: Claerhout: Okegem.).“Hocke“ statt „Hugo“, die Endung „-ingahem“, die mich an „Ingelheim“ erinnert und Ähnlichkeit der Theorie, Orte mit „-heim“-Endung seien fränkischen Ursprung hat… neue Aspekte für die Ortsgeschichte Ockenheims. Ockenheim und Okegem als „Gedenkorte“ für Hocke? Erstmal nicht unmöglich.

Neuer Plan: Ich werde versuchen, mich mit dem vermeintlichen Namensgeber näher zu beschäftigen und weitere (vermutlich vorwiegend heimatkundliche) Forschung zu Okegem suchen.

Literaturhinweisen nachgehen

Die folgenden Anmerkungen wurden von der Seite des „heemkring Okegem“, „13) De naam Okegem“ übernommen und sind bislang ungeprüft!

  • GYSSELING, Maurits: Inleiding tot de toponymie, vooral van Oost-Vlaanderen, in: Naamkunde, 10 (1978). S. 12.
  • GYSSELING, Maurits: Toponymisch woordenboek van België, Nederland, Luxemburg, Noord-Frankrijk en West-Duitsland (vóór 1226). Bouwstoffen en Studiën voor de Geschiedenis en de Lexicofrafie van het Nederlands, Belgisch Interuniversitair Centrum voor Neerlandistiek, Tongeren. G. Michiels 1960. 2 Bände. S. 760; sowie: CARNOY, A.: Origines des noms des communes de Belgique. Leuven 1948. S. 511.
  • CLAERHOUT, J.: Okegem, in: Philologische bijdragen 4 (1895). S. 55.
  • VERHULST, Adriaan: Het landschap in Vlaanderen. Antwerpen 1964. S. 60.

Johannes Ockenheim alias Jean Ockeghem

Im hohen Mittelalter entstanden die Nachnamen infolge des steigenden Selbst-Bewusstseins des städtischen Bürgertums. Auch das Bevölkerungswachstum und die damit verbundene häufige Namensgleichheit soll zu der Entstehung und Etablierung beigetragen haben. Jedenfalls orientierten sich die „Beinamen“ an der Herkunft (speziell bei Adeligen/Ministerialen), dem Beruf (städtisches Bürgertum) oder waren anderweitige Überbegriffe („Krumm“, „Winter“, „Fuchs“, …). Auch aus den Rufnamen des Vaters entstanden sie (Jakobssohn -> Jacobsen -> Jacobs -> Jacob). Bei der Heirat nahm Frauen meist den „Beinamen“ des Mannes an.

„Ockenheim“ als Beiname

So trugen auch die Herren von Ockenheim der Ockenheimer Burg nach ihrem Vornamen den Zusatz „von Ockenheim“. Über die wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen der Ministeriale des Mainzer Erzbischofs geben uns die überlieferten Quellen nur wenig Auskunft: Sie waren insbesondere im Spätmittelalter Lehensmänner der Herren/Grafen von Sponheim und Boladen; regionaler, einflussreicher Familien. Zeitweise besaßen sie (zusätzlich?) die Burg Layen bei Rümmelsheim.

Johannes Ockenheim – Jean Ockeghem

Als die Herren von Ockenheim nach Ingelheim zogen und nunmehr in der dortigen Burgkirche zu leben, wurde

Anonymes Portrait von Jean Ockeghem

Anonymes Portrait von Jean Ockeghem

im heute belgischen St. Ghislain im Hennegau Johannes Ockenheim geboren. Oder, wie er in der deutschsprachigen Musikgeschichte genannt wird, Jean Ockeghem (das „gh“ wird als kehliger Rachenlaut wie das „ch“ in „auch“ ausgesprochen). Beide Ereignisse, der Umzug der Herren von Ockenheim in die Ingelheim Burgkirche und die Geburt von Jean Ockeghem lassen sich nicht exakt datieren, lassen sich jedoch auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts eingrenzen. Jean Ockghem erlangte als Komponist der so genannten frankoflämischen Renaissance Bekanntheit. Weiterlesen

Bestände zur Pfarrgeschichte Ockenheim

Das Ockenheim Pfarrarchiv der Kirchengemeinde St. Peter und Paul befindet im Dom- und Diözesanarchiv des Bistums Mainz. Hier sind in zwei Archivkästen Archivalien seit dem 16. Jahrhundert und bis 1945 überliefert. Bisher habe ich die Akten lediglich oberflächlich gesichtet und (erfolgreich) auf ihre Vollständigkeit gegenüber den Findbucheinträgen überprüft.

Fast alle überlieferten Urkunden ab dem 18. Jahrhundert

Im älteren Bestand (K 67/III), der Akten bis 1800 beinhaltet, befassen sich die ältesten Archivalien mit der „Kollation und Bestellung des Schul- und Glockenamtes“ (1597-1621). Alle weiteren wurden im 18. Jahrhundert verfasst: Neben Rechnungen, Fundationen und Stiftungen von Messen finden sich auch Protokolle zu zwei Visitationen Ende des 18. Jahrhunderts, bei denen insbesondere die Schule samt Schüler und des Lehrer kritisch überprüft wurde, Klagen gegen den Pfarrer (164 fol.!), 12 folio zu einem „Mirakel mit dem hl. Blut“ (1734), Angaben zum Inventar aus der Zeit des Neubaus der Pfarrkirche (1776, 33 fol.), zur „Freischule“ (38 fol.) und – seitenstark – die Klage gegen das Mainzer Liebfrauenstift „wegen Chorbau und 6 Malter Korn“, die sich von 1703 bis 1774 hinzog und deren Akte aus 248 folio besteht. Außerdem „annos cleri von einem gerodeten Schulfeld“ (1776-1777), mit dem ich bisher nichts anfangen kann 1)Anm. 07.04.2014: Es müsste vielmehr „anni cleri“ heißen, der „Frist für den Pfarrer od. seinen Nachfolger zur Abtragung einer für Pfarrbauten aufgenommen Anleihe“, zit. nach: Friedrich Hauke/ Gerhard Schwinge: Theologisches Fach- und Fremdwörterbuch. Mit einem Verzeichnis von Abkürzungen aus Theologie und Kirche und einer Zusammenstellung lexikalischer Nachschlagewerke.  Göttingen 11^2010. S. 20.. Insbesondere die Klagen gegen der Pfarrer, die Freischule und die Klage gegen das Liebfrauenstift machen mich sehr neugierig.

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1. Anm. 07.04.2014: Es müsste vielmehr „anni cleri“ heißen, der „Frist für den Pfarrer od. seinen Nachfolger zur Abtragung einer für Pfarrbauten aufgenommen Anleihe“, zit. nach: Friedrich Hauke/ Gerhard Schwinge: Theologisches Fach- und Fremdwörterbuch. Mit einem Verzeichnis von Abkürzungen aus Theologie und Kirche und einer Zusammenstellung lexikalischer Nachschlagewerke.  Göttingen 11^2010. S. 20.