Die Tugendethik Hildegards von Bingen

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Stephan Ernst, Würzburg: Die Tugendethik Hildegards von Bingen im Kontext ihrer Zeit – Ein Vergleich mit der Konzeption des Radulfus Ardens (28.02.2013) auf dem Hildegard-Symposium 2012 im Erbacher Hof, Mainz.

Die antike und die christliche Tugendlehre

Bis in das 12. Jahrhundert existierte nur die antike Tugendlehre mit den vier so genannten Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß), die sich der Mensch aneignen sollte. Die Tugendlehre war vernunftbestimmt und Mittel, um Fehler auszugleichen. Ein tugendhaftes Leben war Zeichen für einen wohlgeordneten Geist. Gelehrte wie Petrus Lombardus, Leiter der Kathedralschule von Notre Dame, und Hugo von St. Viktor nahmen die antike Tugendlehre auf, veränderten sie jedoch durch christliche Elemente: Die Tugend war nun die „gute Eigenschaft des Gottes […] die Gott allein im Menschen (ohne den Menschen) wirkt“. Weiterlesen

Wüstungen

Wüstungen, d.h. ehemalige Siedlungen, gibt es zuhauf. Die Lage der meisten lässt sich durch noch heutige Flurnamen rekonstruieren oder durch den Ort, den der Name der Wüstung beschreibt. Für meine Abschlussarbeit über Kloster Rupertsberg habe ich eine Reihe von Wüstungen lokalisieren können. Bis auf vier: Wiseloh, Scrinne, Egeseberg und Burgestat. Weiterlesen

Der Sängerwettstreit auf der Wartburg des Westens

Um es gleich vorweg zu nehmen: Gekauft. Er war gekauft, dieser selbst ernannte Sängerwettstreit am 7. August 1949. Dass die Ebernburg im Naheland mit ihrer von Martin Schmidt erhaltenen Umschreibung im Veranstaltungstitel genannt wird, verdeutlicht die Intention der Veranstalter: Sie wollten an den fabelhaften Sängerstreit auf der Wartburg anknüpfen, seine Stimmung erzeugen…. nun, so ganz genau ist das nicht eindeutig, denn ich habe die Unterlagen in Bad Kreuznach noch nicht eingesehen. Aber ich mutmaße wohl nicht zu sehr, wenn ich den Veranstaltern zutraue, dass sie diesen Titel bewusst gewählt haben. Weiterlesen

„Diese kleine Mühe bedarf doch wirklich nicht in jedem Jahre derart vieler Ermahnungen“

Nachdem der zunächst von den alliierten Besatzungsmächten wegen seiner kulturpolitischen Verwicklung im nationalsozialistisch regierten Deutschland verbotene Deutsche Sängerbund am 10. Juli 1949 wiedergegründet wurde (1952 konnte die Löschung aus dem Vereinsregister rückgängig gemacht werden und der neue Vereine im alten aufgehen) bestand bereits der Sängerbund des Kreises Bingen. Nach einer vorbereitenenden Gründungsveranstaltung am 19. Dezember 1948 von 25 Gesangvereinen des Kreises, fand die Wiedergründung am 20. März 1949 in Gau-Algesheim statt. Weiterlesen

Heinrich von Ockenheim, der Kreuzfahrer

Auch als Wilhelm, Graf von Jülich während des fünften Kreuzzuges in Ägypten starb, war Heinrich von Ockenheim an seiner Seite – wie auch Heinrich, Graf von Sayn-Wittgenstein, und Theoderich von Isenburg.

In Anbetracht des 1215 endenden Waffenstillstandes in den Kreuzfahrerstaaten, rief Papst Innozenz III. bereits im Frühjahr des Jahres 1213 in seiner Bulle „Quia maior“ zum erneuten Kreuzzug auf. Diese wurde 1215 auf dem 4. Laterankonzil beschlossen, Weiterlesen

Sozialdarwinismus beim Deutschen Sängerfest in Nürnberg 1861

Vom 21. Bis 24. Juli 1861 fand mit dem Deutschen Sängerfest in Nürnberg das erste große Nationalfest der Nach-Reaktionsära an. Die Woge der überschwänglichen Begeisterung, auf der dieses Fest trieb, wurde vor allem von der vermeintlichen französischen Annexionspolitik dieser Zeit angefacht1)Ein kleiner Exkurs: 1858 versprach der Ministerpräsident des Königreiches Sardinien, Camillo Benso von Cavour, dem französischen Kaiser Napoleon III., Savoyen und Nizza an Frankreich abzutreten, sollte Frankreich die italienische Einigungspolitik unterstützen. Nach dem für Sardinien und seinen Bündnispartner Frankreich erfolgreichen Sardinischen Krieg wurde durch den Vertrag von Turin dieses Versprechen eingelöst. Ein Jahr später ging das Königreich Sardinien im Königreich Italien auf..

Trotz des rechtlich einwandfreien Vertrages zwischen Frankreich und Sardinien befürchteten viele Deutsche darin den Anfang Weiterlesen

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1. Ein kleiner Exkurs: 1858 versprach der Ministerpräsident des Königreiches Sardinien, Camillo Benso von Cavour, dem französischen Kaiser Napoleon III., Savoyen und Nizza an Frankreich abzutreten, sollte Frankreich die italienische Einigungspolitik unterstützen. Nach dem für Sardinien und seinen Bündnispartner Frankreich erfolgreichen Sardinischen Krieg wurde durch den Vertrag von Turin dieses Versprechen eingelöst. Ein Jahr später ging das Königreich Sardinien im Königreich Italien auf.

Zum Ockenheimer Rod

Dass Nikolaus Kirsch-Puricelli hinter „Ockenheimer Rod“ (ein ovales Gebiet im Nordosten des Ingelheimer Wald) einen Lesefehler (Ockenheim => Otterberg) vermutete1)Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44. Pfalz-Simmern setzte sich aus Ockenheimer Rod, Wäldchen „auf Reipoltskirch“, Erbacher Wald und Spitalkopf zusammen. führte ich schon vor ein paar Wochen aus. Warum ich einen Lesefehler für unwahrscheinlich halte, möchte ich im Folgenden ausführen: Weiterlesen

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1. Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44. Pfalz-Simmern setzte sich aus Ockenheimer Rod, Wäldchen „auf Reipoltskirch“, Erbacher Wald und Spitalkopf zusammen.

Der Angelbaum in Ockenheim

Hessisches Urkundenbuch III, S. 385-386, #12941)Vor dem Ockenheimer Schultheißen Peter, Marschall des Ockenheimer Burgherrs (zu dieser Zeit vermutlich Emmerich von Ockenheim) und den Schöffen Heinrich Wingerter, Betholf Keßeler, Peter Schweiz und Peter Schellenberger machen die Binger Bürger, Meister Conrad Glesir dessen Sohn ihren Ewigzins an Herrn Johann, genannt Boltz von Frankfurt, öffentlich bekannt. Für den Ewigzins über 3,5 Pfund geben sie sieben Morgen, drei Zweiteile und fünf Viertel an Weinbergen in Ockenheimer Lagen sowie Haus, Hof und Garten beim Hofe der Mönche von Kloster Eberbach im Rheingau (heute: Mönchhof) als Unterpfand. Das bezeugten miles Herr Simon von Liebenstein, Herr Friedrich Falysin (Anm. in Urkunde: von Leyen) und dessen Sohn Junker Philipp, Herr Werner (Kaplan zu s. Katharinen in Ockenheim), Hentze, genannt Freitag, sowie Heintze Kippil.:

“Allir menlich sal wißin, daz […] in dem dorf zu Ockinheim, gelegin in Mentzer bischtum, vndir dem angilbaume, da man daz gereche des selbis dorfes plegit zu habene“

Der Baum, der in dieser Schenkungsurkunde vom 13. Mai 1357 genannt wird, lässt sich in Ockenheim lokalisieren.

Er hatte seinen Namen von der Bezeichnung Anger/Angel (von althochdeutsch „angar“) für einen trockenen, umfriedeten, hoch und nach Curschmann nahe der oberen Dorfpforte gelegenen Grasplatz, der sich häufig bei einer Wegkreuzung oder -gabelung befand und möglicherweise vorher Teil der Allmende (= Fest-, Gerichts- und Versammlungsplatz) war.2)Zernecke merkt an, dass nicht alle Faktoren übereinstimmen müssen, um die Lage eines Angelbaums zu identifizieren, sondern es sich vielmehr um die bildhafte, poetische Beschreibung eines „locus amoenus“ handelt. Vgl. Zernecke, S. 51. Angelbäume finden sich in Rheinhessen vor allem bei dem Fluß Selz zwischen Bechtolsheim und Sörgenloch, aber in den nahe gelegenen Dörfern Ober-Hilbersheim und eben Ockenheim. Weiterlesen

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1. Vor dem Ockenheimer Schultheißen Peter, Marschall des Ockenheimer Burgherrs (zu dieser Zeit vermutlich Emmerich von Ockenheim) und den Schöffen Heinrich Wingerter, Betholf Keßeler, Peter Schweiz und Peter Schellenberger machen die Binger Bürger, Meister Conrad Glesir dessen Sohn ihren Ewigzins an Herrn Johann, genannt Boltz von Frankfurt, öffentlich bekannt. Für den Ewigzins über 3,5 Pfund geben sie sieben Morgen, drei Zweiteile und fünf Viertel an Weinbergen in Ockenheimer Lagen sowie Haus, Hof und Garten beim Hofe der Mönche von Kloster Eberbach im Rheingau (heute: Mönchhof) als Unterpfand. Das bezeugten miles Herr Simon von Liebenstein, Herr Friedrich Falysin (Anm. in Urkunde: von Leyen) und dessen Sohn Junker Philipp, Herr Werner (Kaplan zu s. Katharinen in Ockenheim), Hentze, genannt Freitag, sowie Heintze Kippil.
2. Zernecke merkt an, dass nicht alle Faktoren übereinstimmen müssen, um die Lage eines Angelbaums zu identifizieren, sondern es sich vielmehr um die bildhafte, poetische Beschreibung eines „locus amoenus“ handelt. Vgl. Zernecke, S. 51.

Die Ordnung „Vn der dinstknechte wegen“ von 1421

Vor einer Zeit habe ich hier und im Gemeinschaftsblog „Mittelalter“ über ein Urkundenregest von 1422 über freigelassene Weberknechte gebloggt. Klaus Graf und Jean-Dominique Delle Luche machten mich auf die Einheitsbewegung der Handwerksgesellen auf der Walz im Spätmittelalter aufmerksam, dem ich in den letzten Wochen nachgegangen bin:

Matheus bezeichnet die Gesellenwanderung im 15. Jahrhundert als „unruhiges Element“ (Matheus, S. 13). Mit ihren überregionalen, genossenschaftlichen Zusammenschlüssen versuchten sie, eigene Interessen durch Boykott und Streik durchzusetzen. Ein solcher überregionaler und zudem sehr einflussreicher Bund bestand seit Ende des 14. Jahrhunderts um den nördlichen Oberrheins und umfasste Städte unterschiedlicher Größe, politischen Status‘ und Wirtschaftsstruktur.
Zunächst formierte sich nur innerhalb der ansässigen Zünfte der Widerstand gegen den signifikanten Einfluss der wandernden Gesellen in ihrer Stadt, dann auch der städtischen Magistrate.
Am 28. Juli 1421 erließen die betroffenen Städte Frankfurt, Mainz, Worms und Speyer eine gemeinsame Ordnung („Vn der dinstknechte wegen“), Weiterlesen

Das Ockenheimer Roth im Binger Wald

Ein Distrikt des Binger Waldes nennt sich Ockenheimer Rod/Roth. Gottfried Erckmann beschreibt den Bereich in seinem 1930 erschienen Buch über den Binger Wald auf mehreren Seiten. 1)Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15). So auf Seite 44:

»Das Ockenheimer Rod schneidet aus dem Ingelheimer Wald die Nordostecke heraus. Es gehörte ehemals, ebenso wie der Dichtelbacher Wald, wie auch aus der Fabricius’schen Karte III – „Die Herrschaften des unteren Nahegebietes um das Jahr 1430“ – zu ersehen ist,  politisch zum Pfalz-Simmerischen Territorium (seit der Teilung der pfälzischen Lande unter die Söhne König Ruprechts im Jahre 1410), und es setzt sich aus vier Abteilungen zusammen: 1) dem Ockenheimer Rod im engeren Sinne, 2) dem Wäldchen „aus Reipoltskirch“, 3) dem Erbacher Wald, 4) dem Spitalkopf. Das eigentliche Ockenheimer Rod gehörte als Zubehör eines Hofes in Daxweiler ursprünglich dem Cistercienser-Kloster Otterberg bei Kaiserslautern [ca. 10km nördlich von Kaiserslautern], wurde aber (mit dem Hofe) im Jahre 1441 an den Kurfürsten Ludwig IV. von der Pfalz (1436-1449, König Ruprechts Enkel) verkauft. Es war also damit kurfürstlich pfälzisches Privateigentum auf pfalzsimmerischem Territorium, ein sog. Kammergut, und ist als solches auch im Waldbuch des späteren kurpfälzischen Amtes Simmern von 1598 erwähnt.«

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1. Vgl. Erckmann, Gottfried: Der Binger Wald. Bingen: Pennrich 1930. S.44-53, 60. URL: http://www.dilibri.de/rlb/content/pageview/979651 (Letzter Zugriff: 02.02.15).