Die Tugendethik Hildegards von Bingen

Zusammenfassung des Vortrags von Prof. Dr. Stephan Ernst, Würzburg: Die Tugendethik Hildegards von Bingen im Kontext ihrer Zeit – Ein Vergleich mit der Konzeption des Radulfus Ardens (28.02.2013) auf dem Hildegard-Symposium 2012 im Erbacher Hof, Mainz.

Die antike und die christliche Tugendlehre

Bis in das 12. Jahrhundert existierte nur die antike Tugendlehre mit den vier so genannten Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß), die sich der Mensch aneignen sollte. Die Tugendlehre war vernunftbestimmt und Mittel, um Fehler auszugleichen. Ein tugendhaftes Leben war Zeichen für einen wohlgeordneten Geist. Gelehrte wie Petrus Lombardus, Leiter der Kathedralschule von Notre Dame, und Hugo von St. Viktor nahmen die antike Tugendlehre auf, veränderten sie jedoch durch christliche Elemente: Die Tugend war nun die „gute Eigenschaft des Gottes […] die Gott allein im Menschen (ohne den Menschen) wirkt“. Weiterlesen